Arbeitskreis Kluterthöhle e.V.
Rumänien

In der Zeit vom 8. bis 27. August 1998 nahmen 12 Mitglieder des Arbeitskreis Kluterthöhle (AKKH) an einer Forschungsexpedition nach Rumänien teil. Zusammen mit etwa 20 Mitgliedern des dortigen Höhlenvereins (A.S.E.R.) wurden Forschungen im Banater Hochland durchgeführt. Die Aktion wurde durch eine Einladung unserer rumänischen Kollegen Anfang 1998 ins Leben gerufen.
Forschungsbericht
Kurzfassung - von Matthias Schnadwinkel
Der ausführliche Bericht findet sich im Antiberg 71.

Der Arbeitskreis Kluterthöhle führte vom 8. bis 27. August 1998 auf Einladung der Asociatia Speologica Exploratorii Resita eine Forschungsfahrt ins Banater Bergland im Westen Rumäniens durch. Nach anfänglichen Schwierigkeiten das abgeschiedene Forschungsgebiet der Poiana Roschii mit Pkws zu erreichen, konnten wir schließlich zusammen mit den rumänischen Freunden unser Forschungslager auf einem Hochplateau in 950 m Höhe errichten.

Die Hochebene befindet sich östlich einer markanten, NO-SW streichenden Störung und besteht hier aus unterkreidezeitlichen Kalksteinen, die in Form einer Mulde an die Oberfläche treten und im Zentrum von Sandstein überlagert werden. Westlich der Störung ragen Bergketten aus Gesteinen des Ober- und Mitteljuras bis zu einer Höhe von 1100 m auf. Der nächstgelegene Vorfluter befindet sich auf einer Höhe von 450 m in 3 km Entfernung. Die Hochfläche wird überzogen von einer Vielzahl von Dolinen, Trockentälern, kurzen Bachläufen und Ponoren. Die Vegetation besteht im zentralen Bereich aus weitläufigen Wiesenflächen die von einzelnen Baumgruppen unterbrochen werden. Umgeben wird die Poiana Roschii von ausgedehnten Laubwäldern.

Unsere ersten Forschungsarbeiten führten uns in die Kratzenhöhle um dort mit den rumänischen Freunden zusammen die Vermessung voranzutreiben. Bei der Kratzenhöhle handelt es sich um ein altes oberflächennahes phreatisches Höhlensystem, das über mehrere Schächte mit einem tieferliegenden jüngeren vadosen System verbunden ist. In dieser aktiven Bachhöhle hat das Wasser durch partielle sekundäre Reaktivierung die Sedimentablagerungen der phreatisch entstandenen Gänge ausgeräumt und sich neue vadose Abflusswege geschaffen. Dabei wurden teilweise weitere, tiefergelegene phreatische Hohlräume angeschnitten. In 150 m Tiefe verschwindet der Bachlauf in einem äußerst engen Siphon und bildet damit das vorläufige Ende der befahrbaren Teile der Höhle.

Die weiteren Forschungsaktivitäten führten uns in die zerstörten Klippenbereiche am Rande der Poiana Roschii. Hier treten ausgeprägte Schichtköpfe an die Oberfläche, die durch tiefgreifende Karrenbildungen stark zergliedert und aufgelöst sind. Trotzdem gelang uns hier die Entdeckung von mehreren Kleinhöhlen, die deutlich die einst größere Ausdehnung dieser Röhrensysteme erkennen lassen. Die oberflächige Abtragung hat jedoch nur noch Ruinen übriggelassen.

Am Fuß der Ostwände des 1097 m hohen Cirsia Mare fanden wir einige bemerkenswert gut ausgeprägte Profilhöhlen, deren phreatische Röhrengänge jedoch schon bald durch Sediment verschlossen waren. In einem der Objekte stießen wir auf mehrere Hufeisennasen.

Die Dolinen und Ponore im zentralen Bereich der Poiana Roschii waren nicht besonders ergiebig. Die meisten Öffnungsversuche scheiterten an den mächtigen Verfüllungen. Nur in drei Fällen gelang uns der Vorstoß in offene Schachträume. Davon einmal erst nach Durchbrechen der überlagernden Sandsteinschicht.

Als Ergebnis unserer Forschungsfahrt konnten wir zwar diesmal nicht viele hunderte Meter Neuland verbuchen, dafür jedoch neue Erkenntnisse der geologischen Situation dieses Gebietes und deren Einfluss auf die Verkarstung und Höhlenbildung gewinnen. Durch unsere weitreichenden Oberflächenexplorationen konnten die geologischen Karten an vielen Stellen korrigiert werden. Die Untersuchungen in den Ponoren zeigten, dass die hier häufig anzutreffenden dünnen Mergelzwischenschichten oftmals verkarstungshemmend wirken und eine großräumigere Tiefenausdehnung verhindern.

Die auf rumänischer Seite vorhandenen Hoffnungen, in der Kratzenhöhle ein Tiefenpotential von 500 m zu haben und durch einen Collecteur die großen Quellen des Vorfluters erreichen zu können, mussten wir zunichte machen. Die Höhle hat bereits fast zu einem Drittel das Tiefenpotential ausgenutzt, ohne nennenswerte horizontale Erstreckung der vadosen Gangbereiche. Außerdem verhindert eine markante Störung zwischen Höhle und nächstem Vorfluter eine ungestörte Verbindung. Aufgrund des fehlenden Basements in diesem Bereich wird das Wasser auf kürzestem Wege vertikal dem Karstwasserspiegel zugeführt.

Wir danken unseren rumänischen Freunden für die ereignisreichen Forschungswochen, die hervorragende Verpflegung und die gute Zusammenarbeit.